Entwicklungen und Ereignisse. Eine Bestandsaufnahme

Mit dem Ziel, eine flächendeckend optimale und rasche Behandlung von Schlaganfallpatienten in Nordbayern sicherzustellen, haben wir uns vor 10 Jahren als Pioniere der telemedizinischen Schlaganfallversorgung zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Lesen Sie auf den folgenden Seiten, was wir in den vergangenen zehn Jahren erreicht haben.

Ihr

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Stefan Schwab Direktor der Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum Erlangen

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Frank Erbguth Chefarzt der Klinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg

Prof. Dr. med. Patrick Oschmann Chefarzt der Klinik für Neurologie, Klinikum Bayreuth

 

1999-2007 Von der Idee zur Umsetzung

1999

Idee und Konzeption Im November 1999 findet ein erster Austausch der neu eröffneten Stroke Unit am Uni-Klinikum Erlangen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst über die Idee einer telemedizinischen Schlaganfallversorgung in Nordbayern statt. Bereits im Dezember legt die Neurologische Klinik des Uni-Klinikums Erlangen unter Federführung von Prof. Dr. Frank Erbguth ein erstes Konzept einer telemedizinischen Schlaganfallvernetzung mit ober- und mittelfränkischen Kliniken vor. Die Stroke Unit der Neurologischen Klinik am Uni-Klinikum Erlangen beteiligt sich im Arbeitskreis „Stroke Units“ der Bayerischen Landesärztekammer und im Arbeitskreis „Telemedizin“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Bis 2003 erfolgen zahlreiche Gespräche über die Initiierung eines Pilotprojektes zur telemedizinischen Schlaganfallversorgung in Mittelfranken. In einer Machbarkeitsstudie wird die Umsetzung geprüft.  

2004

Pilotprojekt STENO Im April 2004 bewilligt das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen die Förderung des Pilotprojekts STENO. Unter Federführung der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen wird das Konzept erprobt. Projektpartner sind die Neurologische Klinik des Klinikums Nürnberg, das Stadtkrankenhaus Forchheim und die Kreisklinik Roth. Wissenschaftliche Evaluationen begleiten das Projekt.

2005 bis 2007

Planung und Vorbereitung des Regelbetriebs Nach einer positiven Bilanz des Pilotprojekts werden von 2005 bis 2007 die Rahmenbedingungen und die Budgetvereinbarungen für eine flächendeckende Vernetzung Nordbayerns zur telemedizinischen Schlaganfallversorgung mit dem Sozialministerium und den Krankenkassen verhandelt. Im September 2006 wird das Konzept dem Krankenhausplanungsausschuss vorgelegt; die Umsetzung wird im Mai 2007 einstimmig beschlossen.

2007 Start des Netzwerks

Als eine der größten Klinikkooperationen Bayerns erfolgte 2007 die Ausbreitung des Netzwerks in die Fläche mit den drei Schlaganfallberatungszentren 
Klinik Hohe Warte Bayreuth, Universitätsklinikum Erlangen und Klinikum Nürnberg Medizinische Paracelsus Privatuniversität sowie 11 Kliniken der Schwerpunkt- und Regelversorgung:
Klinikum Ansbach
Klinik Bad Windsheim
Klinik Dinkelsbühl
Klinikum Forchheim
Klinik Gunzenhausen
Sana Klinikum Hof
Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels
Klinikum Fichtelgebirge Haus Marktredwitz
Klinikum Neumarkt i.d.OPf.
Kreisklinik Roth

Die Projektleitung übernimmt PD Dr. René Handschu, Oberarzt der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen.

PD Dr. René Handschu, STENO-Projektleiter 2007 bis 2011 © STENO/M. Lorenz

 

Die erste telemedizinische Verbindung erfolgte am 5. Juli 2007 zwischen dem Universitätsklinikum Erlangen und dem Klinikum Forchheim.

© Klinikum fORCHHEIM
© Klinikum Forchheim

 

STENO-Team 2007 © M. Lorenz/STENO

STENO-Team 2007                                                

 

 

2008 Optimale Versorgung rund um die Uhr

24-stündiger Routinebetrieb Bis Anfang 2008 werden in allen regionalen Kliniken Spezialstationen für die Schlaganfallbehandlung eingerichtet. Zum Jahresbeginn 2008 erfolgt der Start des 24-stündigen Telekonsildienstes. Die drei beratenden Zentren stehen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für telemedizinische Konsultationen zur Verfügung.

© Klinikum Nürnberg Dr. Martin Nückel (Mitte), Dominik Löwe, Kander

Telekonsil im Klinikum Nürnberg

 

1. STENO-Symposium Das seit 2008 jährlich stattfindende wissenschaftliche Symposium beleuchtet aktuelle Aspekte zur Schlaganfallversorgung und ist mittlerweile als wichtige Säule der netzwerkinternen Fortbildungen etabliert. Zum Auftakt informiert sich Staatssekretärin Melanie Huml über die Arbeit des Netzwerks.

1. STENO-Symposium, Erlangen/Dr. Handschu. Staatssektretärin Melanie Huml © M. Lorenz/STENO

Projektleiter Dr. René Handschu und Staatssektretärin Melanie Huml

 

Ausgezeichnet Im Oktober 2008 wurde STENO mit dem Medizinpreis Gesundheit & Medizin in Erlangen in der Kategorie Versorgung ausgezeichnet.

© Mario Lorenz/STENO

 

1.000 Telekonsile in 11 Monaten Ein knappes Jahr nach dem Start des Telekonsildienstes wurde das 1.000 Telekonsil mit der Klinik Dinkelsbühl durchgeführt.

Blumenstrauß 003_1000Konsil

 

2009 Weiterbildung Spezielle Pflege auf Stroke Units

2009 wurde der erste, von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifizierte Lehrgang „Spezielle Pflege auf Stroke Units in Kooperation mit der Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe am Uni-Klinikum Erlangen durchgeführt. Der Kurs vermittelt Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern ein umfassendes Wissen zur Überwachung und Pflege von Schlaganfallpatienten. Darüber hinaus werden medizinische Grundlagen, beispielsweise zur Akutbehandlung des Schlaganfalls und der Sekundärbehandlung vermittelt. Die Teilnehmer erlernen spezielle Fertigkeiten in der Schlaganfallversorgung, wobei der Schwerpunkt auf der interdisziplinären Zusammenarbeit liegt. 134 Teilnehmer haben den Kurs bislang erfolgreich abgeschlossen.

 

© M. Lorenz

 

 

2010 Erster Pflege- und Therapeutentag

Pflege- und Therapeutentag Mit dem STENO-Pflege- und Therapeutentag bietet STENO seit 2010 eine weitere jährliche netzwerkinterne Fortbildung für Pflegekräfte und Therapeuten an. Neben praxisnahen Vorträgen bietet die Veranstaltung ein Forum für den intensiven Austausch mit Kollegen und dem STENO-Schulungsteam.  

Pflege-und Therapeutentag 2017 © M. Lorenz/STENO

STENO-Pflege- und Therapeutentag 2017, Dr. Tobias Steigleder © STENO/M. Lorenz

STENO-Pflege- und Therapeutentag 2016/Franziska Knorr © STENO/M. Lorenz

 

5.000 Telekonsile in drei Jahren Im Jahr 2010 wurden durchschnittlich sechs Telekonsile angefragt. Im Oktober wurde das 5.000 Telekonsil im Netzwerk durchgeführt.

 

2011 Erweiterung und Zertifizierung

Zertifizierung des gesamten Netzwerks Im April 2011 wird mit STENO erstmals ein telemedizinisches Behandlungsnetzwerk der Schlaganfall-Akutversorgung nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Der bayerische Gesundheitsminister Dr. Markus Söder übergibt das Zertifikat der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der LGA InterCert an die Vertreter der drei Schlaganfallbehandlungszentren und der elf Regionalkliniken.

c Mario Lorenz/STENO

 

Dr. Markus Söder © STENO/M. Lorenz

 

Erste Netzwerkerweiterung 2011 schließen sich das Klinikum Fürth und die MEDINOS Klinik Sonneberg dem Netzwerk an. Neben Mittel- und Oberfranken sowie in Teilen der angrenzenden Oberpfalz profitieren nun auch Schlaganfallpatienten in Südthüringen von der telemedizinischen Versorgungsstruktur durch STENO.

 

Neuer Projektleiter Im Oktober 2011 übernimmt PD Dr. Lars Marquardt, Oberarzt der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen, die Leitung des Netzwerks.

PD Dr. Lars Marquardt, Uni-Klinikum Erlangen/STENO-Projektleiter © STENO/M. Scibor

 

2012 Erweiterung und Zertifizierung Tele Stroke Units

Erste Telestroke Units Mit u.a. der Klinik Dinkelsbühl und dem Klinikum Forchheim werden bundesweit die ersten Kliniken erstmals durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft als Tele Stroke Units zertifiziert. Die Urkunden werden am 28. März von DSG-Generalsekretär Professor Otto Busse verliehen. Damit wurde ein neuer Meilenstein in der Qualitätssicherung bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten in ländlichen Regionen gesetzt: Vor Ort werden alle Elemente der Stroke-Unit-Behandlung vorgehalten; die neurologische Untersuchung erfolgt im Telekonsil.

STENO-Audit © STENO/M. Scibor

Telekonsil im Klinikum Forchheim, Dr. Barbara Willazcek © Klinikum Forchheim
© Klinikum Forchheim

 

Anbindung weiterer Kliniken Nach der erneuten Erweiterung des Netzwerks um das Klinikum Coburg und die Klinik Kitzinger Land kooperieren nun 15 Kliniken der Regel- und Schwerpunktversorgung mit den drei beratenden Zentren in Bayreuth, Erlangen und Nürnberg.

2013 Verdichtung nach Süden

2013 wird die flächendeckende Schlaganfallversorgung für Nordbayern nochmals ausgeweitet: Mit der telemedizinischen Anbindung der Krankenhäuser in Rummelsberg und Schwabach erfolgt eine Verdichtung der Versorgungsstruktur im Süden der STENO-Versorgungsregion.

 

2014 Erweiterung und neue Projektleitung

Netzwerkerweiterung in Oberfranken  Die Zahl der beteiligten Klinken ist seit Netzwerkstart im Jahr 2007 stetig gestiegen. Im Juli 2014 wird die Stroke Unit der Klinik Münchberg Teil des Schlaganfallnetzwerks. STENO umfasst nun 21 Kliniken.

Wechsel in der Koordination Dr. David Stark übernimmt im November die STENO-Projektleitung.

Dr. David Stark, Uni-Klinikum Erlangen, STENO-Projektleiter © STENO/M. Scibor

2016 Neue Herausforderungen und neue Projektleitung

Herausforderung flächendeckende Thrombektomie  Die flächendeckende Versorgung mit dem Verfahren der Thrombektomie soll möglichst allen Patienten des Netzwerks, die von dieser Therapie profitieren, zugutekommen. Die klaren Zuweisungs- und Organisationstrukturen des Netzwerks bieten dafür eine optimale Voraussetzung.

Einführung eines klinischen Risikomanagements  Zur Optimierung der Patientensicherheit wird 2016 in allen Kliniken des Netzwerks ein effektives Risikomanagement angestoßen. Die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses werden in das STENO-Qualitätsmanagement integriert und zum Bestandteil des Versorgungskonzept.

STENO Unter neuer Projektleitung Dr. Lorenz Breuer, Oberarzt der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen, übernimmt im Februar die Leitung des Netzwerks.

Dr. Lorenz Breuer führt ein Telekonsil durch.

2017 Erfolgreiche Rezertifizierung

Die erneute Rezertifizierung des STENO-Qualitätsmanagements erfolgt nach der neuen DIN-ISO-Norm 9001:2015. Es regelt verbindliche Behandlungsstandards und Verfahrensanweisungen für Diagnostik und Therapie, um in allen Kliniken des Netzwerks eine einheitliche Schlaganfallbehandlung und eine gleichmäßig hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten.

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